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Zu Besuch in Bamberg, Deutschlands Süßholzkapitale

Viele kennen Bamberg wegen seiner mehr als 1000jährigen Geschichte, des Bamberger Reiters oder wegen des dort gebrauten Rauchbieres. Was viele aber nicht wissen: Bamberg war, und ist es wieder, die Süßholz-Hauptstadt Deutschlands. Denn Bamberg hat eine Jahrhunderte alte Tradition im Anbau von Süßholz, dem Grundstoff für unsere Lieblingsleckerei, und erlebt gerade die Wiederauferstehung als die deutsche Süßholzmetropole.

Anfang Juni 2015 war es endlich soweit und ich reiste persönlich nach Bamberg und nahm die Stadt natürlich im Hinblick auf das Süßholz unter die Lupe 🙂

Und da gibt es wirklich eine Menge zu entdecken wenn man, wie ich, einen Hang zu Lakritz und seinem Grundstoff, dem Süßholz hat.

Süßholzhistorie

Bekannt für Süßholz

Bereits um 1520 (!) findet sich ein erster Hinweis auf die wirtschaftliche Bedeutung des Süßholz für Bamberg. Ich zitiere hier mal den Chronisten Johannes Boemius:

Keine Landschaft Deutschlands erzeugt mehr und größere Zwiebeln, keine größere Rüben und Kohlköpfe. Füg hierzu die Süßwurzel, die im Bamberger Land in solcher Menge ausgegraben wird, dass man hochgetürmte Wagen damit beladen sieht.

Der Zweidlerplan

Knapp 80 Jahre später, im Jahre 1602, veröffentlichte Petrus Zweidler eine der ersten Stadtansichten der Bischofsstadt und darauf findet sich eine Vignette auf der drei Süßholzpflanzen mit ihren Wurzeln und zwei Süßholzkränze (so wurden die Wurzeln in den Handel gegeben) abgebildet sind. Ein deutlicher Hinweis darauf, wie groß die wirtschaftliche Bedeutung des Süßholz damals war.

Unterstrichen wird die damalige Bedeutung auch dadurch, dass auf der Stadtansicht von Braun und Hogenberg (1608/09) eine fast identische Vignette zu sehen ist.

Im Himmelsgarten

Auf dem Michelberg steht die Kirche St. Michael, deren Pfeilerbasilika mit der berühmten Darstellung von 578 unterschiedlichen heimischen und exotischen Pflanzen an der Gewölbedecke (Herbarium) verziert ist; u.a. gibt es dort ein Bild von einer Süßholzpflanze.

Süßholzpflanze in der Kirche St. Michael (Quelle: Prof. Dressendörfer, Bamberg)

Süßholzpflanze in der Kirche St. Michael (Quelle: Prof. Dressendörfer, Bamberg)

Bei meinem Besuch war St. Michael wg. Baufälligkeit gesperrt, so dass ich dies Kunstwerk nicht selber in Augeschein nehmen konnte.

Das Ende einer Ära

Bis in die 1960er Jahre wurde in Bamberg weiterhin Süßholz angebaut. Dann kam es jedoch zu einem Verfall der Zucker- und Kakaopreise am Weltmarkt und das Süßholz verlor fast über Nacht seine Bedeutung.

Damals wurde auch der Süßholzanbau in Bamberg auf Grund der mangelnden Nachfrage eingestellt und das mündlich überlieferte Wissen der Gärtner drohte in Vergessenheit zu geraten.

Süßholzgegenwart

Seit 2010 wird wieder Süßholz angebaut und damit ist Bamberg die einzige Stadt nördlich der Alpen in der dies aktuell gemacht wird. Anlass war die Landesgartenschau, die 2012 in Bamberg stattfand, für die diese historisch bedeutsame Pflanze sozusagen wieder belebt wurde.

Die Bamberger Süßholz-Gesellschaft

Maßgeblichen Anteil am Wiederauferstehen des Süßholz in Bamberg hat die 2010 eigens gegründete Bamberger Süßholz-Gesellschaft, deren Mitglieder sich auf die Fahnen geschrieben haben, das Wissen und die Praxis des Süßholzanbaus wieder zu entdecken und auch in die langfristige Stadtplanung von Bamberg zu integrieren.
Eine nicht ganz einfach Aufgabe, wie ich im Gespräch mit Markus Schäfer (Stadtplaner und Geschäftsführer der Süßholzgesellschaft) erfuhr.

Der Geschäftsführer der Bamberger Süßholzgesellschaft: Markus Schäfer

Der Geschäftsführer der Bamberger Süßholzgesellschaft: Markus Schäfer

Da das Wissen über die alten Techniken des Anbaus und der Ernte fast verloren gegangen war, probieren die Süßholz-Aktivisten immer wieder herum und vom Anbau bis zur Ernte gab und gibt es immer wieder Hürden zu meistern, wie mir Gertrud Leumer (ebenfalls Bamberger Süßholz-Gesellschaft) berichtete, die in ihrem Hofladen Mussärol ein Süßholzfeld hat.

Gertrud Leumer, die Pionierin des neuen Süßholzanbaus

Gertrud Leumer, die Pionierin des neuen Süßholzanbaus

Aktuell werden auf verschiedenen Flächen Süßholzpflanzen angebaut und es gibt Pläne diese auch noch zu erweitern.

Blick auf das Süßholzfeldfeld bei Mussärol

Blick auf das Süßholzfeldfeld bei Mussärol

Die Verarbeitung des Süßholz nach der Ernte geschieht übrigens in Kooperation mit der Lebenshilfe, an die auch ein Teil der Erlöse aus dem Süßholzverkauf geht.

Die Süßholzstele

In der Plattengasse in der Gärtnerstadt findet sich die sogenannte Süßholzstele, auf der Interessantes rund um Süßholz zu erfahren ist und von der man auch einen guten Blick auf das Süßholzfeld der Gärtnerei Mussärol hat.

Süßholzprodukte aus Bamberg

Heute bekommt man in Bamberg verschiedenste Produkte, die auf Süßholz basieren, zu kaufen.

Süßholz, nativ

Natürlich kann man Süßholz bei verschiedenen Anbietern kaufen. Ich selber war dazu im Mohren-Haus (Obere Brücke), das von innen wie eine alte Apotheke eingerichtet ist. Sehr hübsch anzuschauen.

Sußholzeis

Noch ganz neu war bei meinem Besuch das Süßholzeis, das man bei Riffelmacher’s (Obere Brücke) erwerben kann.

Süßholzpflanzen

Natürlich habe ich mir auch mal eine Anbaufläche angeschaut und war dazu in der Gärtnerei Mussärol in der Nürnberger Straße, die von Gertrud Leumer geführt wird. Dort kann man einjährige Süßholzpflanzen erstehen und auch in eigenen Garten anpflanzen. Der Boden sollte aber ziemlich sandig sein.

Süßholzlikör

Als besondere Spezialität gibt es den Bamberger Süßholzlikör, den ich in der Villa Zuckerbunt (Kesslerstr.) erworben habe.

Würste und Schinken mit Süßholz

In der Metzgerei Kalb (Theuerstadt 5, gegenüber von St. Gandalf) bekommt man Schinken und Würste, die mit Süßholz gewürzt sind. Bereits heute zählen diese Produkte zu den typischen Mitbringseln aus Bamberg.

Ein Museum für das Süßholz?

Nein, das gibt es in Bamberg nicht. Aber im Gärtner- und Häckermuseum wird der Interessierte auf viele interessante Informationen rund um das Thema stoßen.

Ein Beitrag des Bayrischen Rundfunk

Im Dezember 2014 berichtete auch der BR in einem Beitrag über Bamberg und das Süßholz.

Fazit

Für den interessierten Lakritzfan, der mehr über den Lakritzgrundstoff erfahren möchte ist Bamberg sicherlich einen Besuch wert. Zumal Bamberg ja auch noch andere Dinge zu bieten hat. Aber über die berichte ich an anderer Stelle.

Bilder

Alle meine Bilder vom Besuch in Bamberg findest du in meinem flickr-Album.

Danksagung

Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Prof. Dressendörfer, Markus Schäfer und Gertrud Leumer bedanken, die sich Zeit für mich nahmen und nicht müde wurden meine vielen Fragen zu beantworten.

Autor: Christian K.

Lakritzfan, Lakritzblogger, Lakritzverschenker, Lakritzsomelier und Herrscher des Lakritzplanten. Auch zu finden bei Twitter, Facebook und Google+.